Vergangenes aus der Gemeinde

75-jähriges Bestehen der Gemeinde Sollwitt

Rede von Bürgermeister Thomas Hansen zum 75 jährigen Bestehen der Gemeinde Sollwitt am 28.11.2009

 

Wir sind heute zusammengekommen, um das 75 jährige Bestehen unserer Gemeinde zu feiern. Ich freue mich einen so voll besetzten Saal begrüßen zu können, obwohl ich weiß, daß sich zum 50igsten 160 Personen in diesen Räumen eingefunden hatten. Es ist heute nicht so einfach diesen Saal mit Dorffesten zu füllen aber die Zeiten haben sich eben verändert, jeder hat viel vor und ist viel unterwegs und gerade junge Leute haben heute vielfach andere Interessen.

Am 9. Mai 1934 trafen sich sämtliche Gemeinderäte aus den 16 Gemeinden unseres Kirchspiels in Viöl und beschlossen nach einem Erlass der Regierung die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden. Unter anderen waren die Dörfer Pobüll und Sollwitt davon betroffen. Ein Hauptgrund war, dass Dorfschulen von einer geschlossenen Gemeinde betrieben werden sollten.

 

Am 11.10.1934 heißt es dann: Durch Entscheidung des Ministers des Innern sind im Kreis Husum, Reg. Bez. Schleswig mit Wirkung zum 1.12.1934 die Gemeinden Pobüll und Sollwitt zu einer Gemeinde mit dem Namen Sollwitt zusammengeschlossen worden. So dass wir heute fast auf den Tag genau 75 Jahre eine Gemeinde sind.

 

Die erste gemeinsame Gemeinderatssitzung fand am 26.08.1934 statt. Den Vorsitz hatte damals als „Dorfschulze“ August Lorenzen (Lorenzes) aus Pobüll. Weitere Vertreter waren:

  • Carl Thomsen Pedes
  • Nikolaus Clausen Tames
  • August Carstensen Niehuses
  • Christian Jacobsen Schmids
  • Thomas Carstensen Eiens

Man hat sich damals mit allen Rechten und Pflichten zusammengetan wobei Pobüll eine Vorbelastung von 6000,-RM bekam, weil sie gerade die Straße neu gemacht hatten. Die restlichen Schulden von insgesamt 3510,-RM wurden zusammengelegt. Unter anderem wurde sich in den ersten Gemeinderatssitzungen über den Bau einer neuen Schule unterhalten. Der Schulverband Sollwitt müßte 9300,- RM aufbringen, die als Darlehen von Gemeinde-mitgliedern bezahlt werden sollte. Aber man war damals nicht in der Lage diese Summe aufzubringen, so dass aus dem Schulbau nichts wurde.

 

Dann kam der Krieg. Das war mit Sicherheit die schlimmste Zeit dieser 75 Jahre. Von den 57 Kriegsteilnehmern sind 19 gefallen. Viele Mütter verloren ihre Söhne, Kinder ihre Väter und Frauen verloren ihre Männer und blieben teilweise mit kleinen Kindern allein zurück. Jeder war irgendwie davon betroffen. Keiner denkt gerne an diese Zeit zurück aber ich denke sie muss hier erwähnt werden.Wünschen wir uns, dass so was nie wieder passiert.

 

Am 11.01.1946 ist die erste Gemeinderatssitzung nach dem Krieg. Jissens Hermann wurde als Bürgermeister eingesetzt. Für den Gemeinderat und den Bürgermeister war es nicht einfach, allen gerecht zu werden, z.B. mussten viele Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden. Die Gemeinde hatte 1946 520 Einwohner bei wesentlich weniger Wohnraum als Heute mit 320 Einwohnern. Geld war nichts wert, der Schwarzmarkt blühte und Schnaps wurde selber gebrannt. Bis 1948 wurden Gemeindevertreter ernannt oder berufen, die den Bürgermeister wählten.

 

Am 17.11.1948 wählte die erst von Bürgern gewählte Gemeindevertretung Ernst Christiansen (Ilkens) zum Bürgermeister.

 

Von da an fanden regelmäßig Gemeindewahlen statt. Wichtigstes Thema war die Beschulung der Kinder. Es wurden damals bis zu 102 Kinder in zwei Schichten in der alten Schule (Schebetz) unterrichtet. Dank des Einsatzes von Ilkens Ernst und des damaligen Gemeinderats schaffte man es 1950 eine neue, sehr großzügige Schule zu bauen ( Die heutige „Alte Schule Sollwitt“) . Cornelius Jensen zog als Schulleiter mit 88 Kindern im Herbst ein und unterrichtete bis 1978 die Dorfkinder.

 

In den 60iger Jahren wurde in unserer Gemeinde eine Flurbereinigung durchgeführt, um mehr Lebensmittel für die wachsende Bevölkerung zu erzeugen.. Den Vorsitz der Teilnehmer-gemeinschaft hatte Heinrich Hinrichsen (Schreuers). Flächen wurden urbar gemacht, getauscht oder zusammengelegt. Wege aus-oder neu gebaut und viele Anpflanzungen angelegt. Wobei die Wege den heutigen Beanspruchungen nicht standhalten. Sie wurden gebaut für Fahrzeuge mit höchstens 5 Tonnen Gesamtgewicht, heute sind es schon mal 40. Aber eine so rasante Entwicklung konnte man damals nicht vorhersehen.

 

1970 wurde eine Ämterreform durchgeführt und das Amt Obere Arlau, unser heutiges Amt Viöl enstand. 1973 sollten durch eine Gemeindereform kleine Gemeinden zu Großgemeinden

zusammengelegt werden. Im Gespräch war: Pobüll mit Haselund und Sollwitt mit Viöl. Aber am 8.11.1973 beschloss der Gemeinderat dass Sollwitt und Pobüll für immer zusammen bleiben sollen. Nur gut, denn sonst wären wir hier heute nicht zusammengekommen. Im damaligen Gemeinderat waren:

  • Brodersen Hans Broders
  • Christiansen Ernst Ilkens Bgm.
  • Carstensen Claus Karstens
  • Carstensen Johannes Tusklaves
  • Hansen Hans Grieres
  • Hansen Theodor Hansens
  • Hinrichsen Heinrich Schreuers
  • Lorenzen Heinrich Buies
  • Thomsen Lorenz Pedes

Nach der Kommunalwahl wurde am 24.03.1974 Grieres Hans Bürgermeister (unser heutiger Ehrenbürgermeister). Einiges geschieht in diesen Jahren z.B.: wird die Poststelle zugemacht und durch einen fahrbaren Schalter ersetzt den es heute auch nicht mehr gibt. Um die Umwelt nicht zu verunreinigen wird die Zentrale Müllentsorgung eingeführt. 1978 wird die Schule geschlossen und an die Schule Viöl angeschlossen. Das Gebäude wurde verkauft. 1979 wird die Gemeinde an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. In Pobüll werden einige Anschlüsse in Eigeninitiative unter sehr schwierigen Umständen im Schneewinter 78/79 an-geschlossen um mindestens Wasser zu haben, denn der Strom war für mehre Tage ausgefallen.

In den alten Akten habe ich einem Antrag an den Bürgermeister gefunden, indem es im Wortlaut heißt: Wir wünschen ein Wasserfest mit allem drum und dran - Helfer vorhanden für die Organisation.

  • Anni Schütt
  • Käthe Hinrichsen
  • Elke Schütt
  • Irmtraut Hansen
  • Christa Papenfuß

Dies nur als kleines Beispiel, dass man sich bei uns über gute Entwicklungen freut und diese Freude gerne mit allen teilt und zusammen feiert.

In den 80iger Jahren sind die Tagesordnungen der Gemeindevertretung nicht so lang. Der Bebauungsplan Nr. 1 wurde erstellt. Er umfasste 7 Bauplätze. Eine Beteiligung am Kindergarten Viöl wird eingerichtet.

 

Unterhalten wurde sich um die Abwasserbeseitigung bzw. Nachrüstung der Hauskläranlagen.

Am 17.04.1990 wurde der damalige Wehrführer Karl-Heinz Hansen (Paulsens) zum Bürgermeister gewählt.

 

Eine größere Investition war 1991 die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs Der Gemeindeanteil betrug bei einem 60ig % Zuschuß von Kreis und Amt 26250,- DM.Heute würde ein neues Fahrzeug fast 100 000.-€ kosten und es wäre nur Zuschuss von ca. 10- 15 % zu erwarten.

 

Die Nachrüstung der Hauskläranlagen wurde auf den Weg gebracht und 1994 umgesetzt.

Seit dem 11.04.1994 bin ich Bürgermeister. Nicht zuletzt wegen der guten Zusammenarbeit im Gemeinderat konnte vieles bewegt und umgesetzt werden.

Die von Cornelius Jensen und Heinrich Carstensen erstellte Dorfchronik konnten 1994 ausgegeben werden. Ralf Schütt arbeitet heute mit dem Chronikverein an einer Neuauflage, weil es noch viel mehr von früher und heute zu berichten gibt.

 

1995 wurde die Straßenbeleuchtung in betrieb genommen. Natürlich auch mit schönen Lichtfesten in Pobüll und in Sollwitt.

 

Mit Förderungen über das Programm „Dorferneuerung“ wurde die Bereiche Westerwaldweg und Schulstraße neu gestaltet.

 

Und vor allen Dingen die Gastwirtschaft unterstützt als wir 1998 neue Kröger bekamen und große Investitionen anstanden. Denn viele Veranstaltungen würden ohne Gastwirtschaft nicht mehr stattfinden und die Dorfgemeinschaft würde sehr darunter leiden. Hoffen wir also, dass wir diesen Krug noch lange behalten.

 

Radwege nach Viöl und Süderhackstedt wurden mit sehr viel Initiative aus der Bevölkerung gebaut. Der Förderverein sammelte 60 000.-DM Spendengelder. Eingeweiht wurde der Radweg nach Viöl am 24.06.2001 mit einem Gottesdienst im Zelt auf der Strasse.

 

Die Baugebiete „Westerwaldweg“ und „Am Damm“ wurden erschlossen. Aktuell unterhalten wir uns um Windeignungsflächen, DSL Breitbandverkabelung und Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen.

 

Wenn man nun zurückschaut zogen sich eigentlich 3 Themen wie ein Faden durch

diese 75 Jahre:

  1. Geld war eigentlich immer knapp aber man hat immer verstanden das Beste daraus zu machen.
  2.  Schule. Kinder sind unsere Zukunft. Das hat man schon früher erkannt und sich um den Schulbau im Dorf gekümmert. Heute haben wir zusammen mit allen Gemeinden im Amt die Gesamtschule Viöl-Ohrstedt mit weit über 1000 Schülern. Wo alle paar Jahre teilweise auch große Baumaßnahmen anstehen.
  3. Die Wege. Früher wurden die Grand-bzw. Sandwege mit Hand u.-Spanndiensten unterhalten, wo jeder mal mit anfassen musste gemacht. Heute müssen die vielfach asphaltierten Straßen, auch weil sie wegen der großen Beanspruchung ständig kaputt sind, wesentlich aufwendiger in Ordnung gehalten werden. Und auch hier gibt es immer weniger Unterstützung von Kreis, Land, Bund oder EU.

Viele Veränderungen hat es während dieser 75 Jahre gegeben:

 

Landwirtschaftliche Betriebe haben wir nur noch ca. 1/3

Schule, Post, Schmied, Kaufmann und Baugeschäft haben wir nicht mehr.

Aber heute haben wir überall Strom, Wasser, Telefon und fast jeder fährt Auto

 

Und an Gewerbetreibende haben wir heute eine:

Tischlerei, Maler, Hufschmied, Näh-u. Polsterei, Heizungsbauer, Futtermittelhändler, Lohnunternehmer, Maurer und ein Kinderheim.

Unsere Gemeinde ist so wie sie heute ist nur so, weil alle Vereine und Einrichtungen an einem Strang ziehen.

 

Seit 110 Jahren haben wir schon die Freiwillige Feuerwehr Sollwitt-Pobüll mit dem heutigen Wehrführer Thomas H. Hansen. Sie ist nicht nur zur Stelle, wenn es brennt oder Mensch und Tier in Not sind, sondern auch wenn in der Gemeinde Leute gebraucht werden,wie z.B. Säubern der Straßenbeleuchtung, oder das Ausrichten vom Ernteball zusammen mit dem Ortskulturring,

Der Ortskulturring wird von Christa Pausen geleitet unterstützt von Birgit Hansen und Hella Lange und ist für das Kulturelle Angebot, wie Kinderfest, Altennachmittag, Theater und Ausflüge zuständig.

 

Der Ringreiterverein unter dem Vorsitz von Bernd Arendt besteht als Verein seit 1977 ist heute vertreten durch Bernd Meier.

 

Das Rote Kreuz mit Heidi Carstensen und Antje Martensen

 

Die Landfrauen mit Frauke Hansen und Ele Clausen

 

Der Chronikverein mit Ralf Schütt

 

Die Jäger von Sollwitt und Pobüll

 

All diese Einrichtungen haben im Festausschuss an der Gestaltung der heutigen Feier mitgewirkt. Dafür ein recht herzliches Dankeschön.

 

Bedanken möchte ich mich auch bei allen, die sich während dieser 75 Jahre im Gemeinderat oder auf irgendeiner anderen Weise zum Wohle unserer Gemeinde eingesetzt haben. Denn ohne euch wäre unser Dorf nicht so wie es ist: nämlich einfach liebenswert und schön.

 

Last uns auch in Zukunft alles tun, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder sich hier wohl fühlen. In diesem Sinne möchte ich schließen und wünsche allen einen schönen Abend und viel Spaß bei Musik, Tanz, Schnack und den unterhaltsamen Einlagen.