Vergangenes aus der Gemeinde

Fragebogen zur plattdeutschen Sprache

Am 16.10.2012 wurde in der shz über die Veränderung der plattdeutschen Sprache berichtet (siehe weiter unten). In dem Artikel wird gebeten, über die Verwendung der plattdeutschen Sprache einen Fragebogen auszufüllen. Es werden u.a. Leute gesucht, die in Sollwitt aufgewachsen und zwischen 18 und 30 oder über 60 Jahre alt sind.

 

Fragebogen: http://www.germsem.uni-kiel.de/ndnl/Dateien%20P.%20h/Fragebogen%20I_Nordfriesland.pdf

 

Weitere Infos: http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2012/2012-288-plattdeutsch.shtml

 

Plattdüütsch hüüt

"Das Plattdeutsche wird immer flacher"

Bericht vom 16.10.2012 in der shz

Das Projekt "Plattdüütsch hüüt" untersucht verschiedene Dialekte in Schleswig-Holstein. Vor allem lokale Dialekte werden durch Hochdeutsch abgeschliffen, befürchten Sprachforscher.

 

Kiel. Es geht verloren, jeden Tag ein bisschen. Das Plattdeutsche verschwindet mehr und mehr aus dem Alltag der Schleswig-Holsteiner. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Anteil der platt sprechenden Norddeutschen halbiert. Zur Zeit sind es nur noch mehrere Hunderttausend Menschen in Schleswig-Holstein, die das Niederdeutsche beherrschen.

 

"Wir wollen erforschen, was es an sprachlicher Vielfalt überhaupt noch gibt", sagt Professor Dr. Michael Elmentaler von der Uni Kiel, der jetzt das einzigartige Forschungsprojekt "Plattdüütsch hüüt" ins Leben gerufen hat. "Seit den 50er Jahren hat niemand mehr untersucht, was für verschiedene Dialekte in den einzelnen Regionen des Landes gesprochen werden. Da haben wir eine riesige Forschungslücke", sagt der 47-Jährige.

 

Fragebogen im Internet

Er hat 160 Orte im Land ausgewählt, zu denen es vergleichbare Daten aus den 50er und 60er Jahren gibt. Damals wurden Tonbandaufzeichnungen erstellt oder Fragebögen ausgefüllt. Und mit Fragebögen arbeitet auch Elmentaler. "Wir brauchen pro Ort jeweils mindestens drei Leute, die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind, und mindestens sechs Leute, die über 60 Jahre alt sind", sagt der Professor. "Und alle sollen gut platt sprechen können." Nur dann sei das Ergebnis auch verlässlich.

 

Die erste Fragebogenaktion dauert ein halbes Jahr, im Internet gibt es alle nötigen Hinweise. Zwei weitere Durchläufe mit genaueren Fragen sollen folgen. In ein paar Jahren, so hofft Elmentaler, kann er dann einen plattdeutschen Sprach atlas veröffentlichen.

 

Grammatik und Generationen

Vor allem interessiert den Forscher wie sich die Grammatik im Laufe der Zeit und im Sprachgebrauch unterschiedlicher Generationen in verschiedenen Regionen verändert hat. Denn vieles sei schon jetzt verloren gegangen, glaubt Elmentaler. So sei etwa das plattdeutsche Wort für "Schwein" vom "swien" immer mehr zu "schwien" geworden. Und auch der "spitze Stein", über den etwa noch Alt-Kanzler Helmut Schmidt bisweilen stolpert, ist nicht mehr weit verbreitet. "Allerdings sprechen viele Menschen in Schleswig-Holstein das ,st' immer noch besonders aus, während sie im Hochdeutschen nicht mehr über den spitzen Stein stolpern", sagt Elmentaler.

 

Überhaupt sei der Einfluss des Hochdeutschen der Killer für verschiedene grammatikalische Eigenkonstruktionen des Plattdeutschen. Denn die Menschen neigten dazu, Formulierungen zu übernehmen. Vor allem lokale Dialekte des Niederdeutschen würden so abgeschliffen. "Das Plattdeutsche wird immer flacher", sagt Elmentaler. Das sei bedauerlich, denn die sprachliche Vielfalt gehe verloren, gerade in einer Alltagssprache, die ja heute vor allem in eher informellen Runden gebraucht werde.

Die "Vererbung" der Sprache in den Familien gebe es jedenfalls immer seltener. Am Ende werde es nur möglich sein, das Plattdeutsche zu erhalten, wenn man es lernt wie das Ruhr gebietskind Michael Elmentaler: "Plattdeutsch als Fremdsprache".

 

 Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der shz